Letternleuchten | Text & PR | Berlin | Website der PR-Beraterin und Redakteurin Dr. Ilona Schäkel, Letternleuchten Text | PR, Berlin



Warum ich keine Probetexte schreibe

Würden Sie einen Grafiker um ein Gratislogo bitten, bevor Sie ihn beauftragen? Oder eine Fotografin um eine kostenlose Fotosession? Vermutlich nicht. Vom Friseur will ich gar nicht anfangen. Warum für Texter andere Regeln gelten sollten, habe ich nie verstanden. Deshalb schreibe ich grundsätzlich keine Probetexte.

Die Katze im Sack
„Aber ich kaufe doch nicht die Katze im Sack!“, werden Sie jetzt vielleicht sagen. Nein, das müssen Sie zum Glück auch nicht. Denn in Zeiten des Internets hat jede Texterin und jeder Texter eine Website. Darauf sind nicht nur Texte, sondern in aller Regel auch Referenzprojekte und Arbeitsproben zu finden, oft sogar ein Blog.

Geht es um längere Printtexte, wird Ihnen jeder Profi eine Auswahl von Arbeitsproben zusammenstellen. Damit können Sie sich schon einen guten Eindruck verschaffen, ob Ihnen der Stil des Texters gefällt. Viele Kollegen bieten, wie ich auch, ein persönliches Vorgespräch an. Dabei können Sie ausloten, wie er oder sie an die Sache herangeht. Spätestens jetzt ist die Katze aus dem Sack.

Kreatives Handwerk
Textarbeit ist kreatives Handwerk. Und Texte entstehen nicht aus der Hüfte. Bevor ich auch nur eine einzige Zeile schreibe, lasse ich mich briefen, arbeite mich in ein Thema ein, erstelle ein Textkonzept, recherchiere vielleicht sogar suchmaschinentaugliche Keywords. Dann beginnt der kreative Schreibprozess. All diese Schritte gehören zum Texten – zu der Dienstleistung, für die Texter bezahlt werden. Wenn Kunden es selbstverständlich finden, dass diese Dienstleistung als Entscheidungshilfe vorab kostenlos erbracht wird, blutet das Texterherz.

Aber auch für Sie als Kunde sind Probetexte letztlich kein Gewinn. Denn jeder Texter, der seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben verdient, müsste die Gratisarbeit in seine Stundensätze einkalkulieren. Mein Tipp: Vereinbaren Sie einen überschaubaren Erstauftrag und prüfen Sie, ob Ihnen das Ergebnis gefällt. Die meisten Texter werden sich darauf einlassen.

 

Leichte Sprache – keine einfache Sache

Logo für Leichte SpracheOb im Netz, im Museum oder auf dem Büchertisch, Texte in Leichter Sprache begegnen mir in letzter Zeit immer häufiger. Als Texterin wollte ich wissen, wie Leichte Sprache funktioniert. Anja Dworski vom Büro für Leichte Sprache der Lebenshilfe Sachsen ist Expertin auf diesem Gebiet. In ihren Schulungen lernen Übersetzer, Autoren und Online-Redakteure, Standarddeutsch in Leichte Sprache zu übertragen. Ich habe an einem ihrer Seminare teilgenommen.

Große Lettern, kurze Sätze, viele Bindestriche – die wichtigsten Merkmale für Leichte Sprache finden bequem auf einem Flipchart Platz. Auch wer tiefer einsteigen will, muss sich nicht mehr als 40 Regeln merken, um die Grundlagen zu beherrschen. Trotzdem gehört Leichte Sprache zu den einfachen Dingen, die überraschend schwer umzusetzen sind.

Was ist Leichte Sprache?

Mit Leichter Sprache ist eine Form der schriftlichen und mündlichen Kommunikation gemeint, die zusammen mit Menschen entwickelt wurde, die Lernschwierigkeiten haben. Oder anders ausgedrückt, mit Menschen, die „geistig behindert“* sind. Leichte Sprache soll ihnen helfen, an der Informationsgesellschaft teilzuhaben. Aber nicht nur diese spezielle Gruppe profitiert davon, auch funktionale Analphabeten, Gehörlose, Menschen mit geringen Deutschkenntnissen, ältere Leute oder an Demenz Erkrankte können Texte in Leichter Sprache besser verstehen.

Ganz wichtig: Leichte Sprache ist keine Kindersprache. Sie richtet sich in erster Linie an Erwachsene, auch wenn sie in ihrer einfachen Struktur mitunter an kindliche Sprache erinnert.

Leichte Sprache ist nicht gleich einfache Sprache

Oft werden die Begriffe einfache Sprache und Leichte Sprache synonym verwendet – tatsächlich gibt es einige Unterschiede: Einfache Sprache richtet sich an Menschen, denen das Lesen und Schreiben aus unterschiedlichen Gründen schwerfällt. Für einfache Sprache gibt es kein festes Regelwerk, in der Praxis ist sie meist komplizierter als Leichte Sprache. Und anders als Leichte Sprache wird einfache Sprache in der Regel nicht von den Adressaten geprüft.

Von der Zielgruppe geprüft

Warum gerade diese Prüfung so wichtig ist, zeigt Dworski in ihren Workshops. Vor allem komplexe Texte, die Vorwissen beim Leser voraussetzen, lassen sich nie eins zu eins in Leichte Sprache übertragen. Das kann jeder nachvollziehen, der sich zum Beispiel einen beliebigen Text zu einem historischen Thema vornmimmt. Begriffe müssen erklärt, Zusammenhänge hergestellt werden. Erklärungen aber blähen Texte auf; damit sie dennoch überschaubar bleiben, müssen die Übersetzer umstellen, auswählen und kürzen.

Die große Kunst besteht darin, die Inhalte bei der Übersetzung weder zu verfälschen noch zu zensieren. Um das richtige Sprachniveau zu treffen, sind Fingerspitzengefühl und viel Erfahrung gefragt. Und das Feedback derjenigen, für die der Text geschrieben wird.

Wo wird Leichte Sprache eingesetzt?

Für Websites von Behörden und Verwaltungen ist Leichte Sprache nach der Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) seit einigen Jahren verbindlich. Doch auch Museen, Vereine oder Bildungseinrichtungen bieten ihren Nutzern zunehmend Informationen in Leichter Sprache an, zum Beispiel auf Websites, in Katalogen, Broschüren, Flyern, Ausstellungen oder Audioguides.

Die Forschung darüber, wie Leichte Sprache wirkt und ob sie von den Zielgruppen angenommen wird, steht noch ganz am Anfang. Museen und Ausstellungsmacher beobachten aber, dass Texte in Leichter Sprache auch von Besuchern ohne Schreib- oder Leseschwäche gerne angenommen werden.

Wer mehr über das Thema wissen möchte, findet viele praktische Tipps für Leichte Sprache auf der Website des Vereins Netzwerk Leichte Sprache. In diesem Netzwerk arbeiten seit 2006 Übersetzer und Übersetzerinnen, Prüfer und Prüferinnen zusammen.

Die wichtigsten Regeln für Leichte Sprache auf einen Blick:

  • Kurze Sätze, möglichst ein Satz pro Zeile
  • Keine Verschachtelungen
  • Geläufige, kurze Wörter verwenden
  • Keine Sprachbilder oder Redewendung
  • Wiederholungen verwenden
  • Komposita mit Bindestrich trennen
  • Keine Abkürzungen
  • Sonderzeichen vermeiden
  • Einheitliche Zeit- und Datumsschreibweise
  • Serifenlose Schrift, mind. Arial 14 pt
  • Bilder, Symbole einsetzen

Alle Regeln für Leichte Sprache vom Netzwerk Leichte Sprache, PDF-Datei, ca. 1,2 MB

*Diese Bezeichnung wird von vielen Menschen als diskriminierend empfunden und deshalb vermieden.

 

Neuerscheinung: Literatur ohne Land? Schreibstrategien einer DDR-Literatur im vereinten Deutschland

CoverWie veränderten sich die Poetiken von Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus der DDR nach dem Zerfall des Landes? Dieser Frage geht auch der zweite Band von „Literatur ohne Land?“ nach. In 20 Aufsätzen werden Texte von 27 Autoren auf ihre Ästhetiken vor und nach 1989 untersucht. Die Bandbreite literarischer Reaktionen auf den Umbruch reicht, so zeigt sich, von Schreibkrise und Verstummen über Genrewechsel bis hin zu unverändertem Weiterschreiben.

Ich durfte einen kleinen Beitrag zu diesem Buch beisteuern: Mein Aufsatz trägt den Titel „‘Der Kampf geht weiter‘. Eine Poetik der Renitenz“ und befasst sich mit der Lyrik des Prenzlauer-Berg-Autors Bert Papenfuß-Gorek nach 1989. Es ist eine Weile her, dass ich mich wissenschaftlich mit Literatur beschäftigt habe. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass mich die beiden Herausgeberinnen Janine Ludwig und Mirjam Meuser für eine Mitarbeit angefragt haben. Danke dafür!

Am kommenden Montag wird der Band im Literaturforum im Brecht-Haus vorgestellt. Wer Lust hat zu dabei zu sein, ist herzlich eingeladen zum:

MÜLLERMONTAG XIX: Literatur ohne Land? Schreibstrategien einer DDR-Literatur im vereinten Deutschland. Band II

Mo. 24.11.2014 / 20:00 Uhr
Prof. Dr. Ilse Nagelschmidt im Gespräch mit den Herausgeberinnen Janine Ludwig und Mirjam Meuser
Ort: Literaturforum im Brecht-Haus, Chausseestr. 125, 10115 Berlin

Eine Veranstaltung der Internationalen Heiner-Müller-Gesellschaft, in Kooperation mit dem Literaturforum im Brecht-Haus

 

100 Mauergeschichten – Erinnerungen an das geteilte Berlin

25 Jahre Mauerfall

100 MauergeschichtenIm Frühjahr 1989 besaß ich gerade seit ein paar Monaten den Führerschein und hatte mir in den Kopf gesetzt, gute Freunde in West-Berlin mit dem Auto zu besuchen. Aufgewachsen in der westdeutschen Provinz, ohne Ostverwandtschaft, war die DDR für mich ein denkbar fernes Land. Ich wusste nicht viel über das Leben hinter Stacheldraht und Beton. Aus der Entfernung schien mir das System jenseits der Mauer sogar als Projektionsfläche für linke Utopien zu taugen.

Im grellen Flutlicht an der Grenzübergangsstelle Helmstedt-Marienborn sah die Sache plötzlich anders aus. In Befehlston ausgespuckte Fragen, bohrende Blicke von Grenzern, die mir das beklemmende Gefühl gaben, in meinem Gesicht etwas lesen zu können, was mir selbst verborgen war. Ich fühlte mich schuldig und überlegte fieberhaft, gegen welches Gesetz ich verstoßen hatte.

Die militärischen Gesten der Passkontrolleure kamen mir übertrieben vor und entfalteten gleichzeitig ihre Macht. Angst kroch die Wirbelsäule hinauf und verbiss sich im Nacken. Dort hockte sie während der knapp 170 Kilometer langen Fahrt auf der Transitautobahn, bis wir hinter dem Kontrollpunkt Dreilinden endlich West-Berlin entgegenfuhren.

Geschichten von Menschen aus Ost und West

Diese Episode ging mir durch den Kopf, als mich die Robert-Havemann-Gesellschaft im März dieses Jahres fragte, ob ich die Recherchen für eine Ausstellung mit 100 Mauergeschichten übernehmen möchte. Inzwischen hatte ich mich mein halbes Leben mit DDR-Literatur, Diktaturgeschichte und Aufarbeitung befasst. Die Ausstellung sollte die Balloninstallation Lichtgrenze begleiten, die anlässlich des 25. Jahrestags des Mauerfalls ein Teilstück des innerstädtischen Grenzverlaufs für kurze Zeit wieder sichtbar machen würde.

Sieben Monate tauchte ich in die Geschichte der ehemals geteilten Stadt ein, die ich aus eigener Anschauung erst seit den späten 1980er Jahren kannte. Ich recherchierte Erinnerungen von Menschen östlich und westlich der Mauer − dramatische, traurige, mutige und kuriose Begebenheiten, die sich entlang der Grenze ereignet hatten. In einem vierköpfigen Autorinnenteam schrieben wir kurze Geschichten, die erzählen, wie die Mauer den Alltag der Menschen in Berlin 28 Jahre lang prägte.

Ausstellungspulte entlang der Lichtgrenze

Das Projekt war ein Kraftakt, aber ein ungeheuer aufregender und anregender. Zwischen dem 7. und dem 9. November 2014 war zwischen Bornholmer Straße und Oberbaumbrücke alle 150 Meter eine dieser Mauergeschichte zu lesen, jeweils an dem Ort, wo sie sich abgespielt hatte. Mich hat beeindruckt und gefreut zu sehen, wie Besucher aus der ganzen Welt dieses Angebot annahmen, an der Strecke diskutierten, sich erinnerten und ihre eigenen Geschichten erzählten.

Ein halbes Jahr nach meiner Autofahrt über die Transitstrecke brachten Ostdeutsche die Berliner Mauer zu Fall; ich selbst habe den 9. November 1989 nur im Fernsehen erlebt. Am vergangenen Wochenende, 25 Jahre später, war bei vielen Menschen die Freude über den Mauerfall wieder zu spüren. Längst nicht überall auf der Welt herrscht Freiheit, es sind noch viele Mauern einzureißen. Aber der Herbst 1989 hat gezeigt, dass es sich lohnt, friedlich für Veränderung zu streiten.

Ausgewählte Mauergeschichten sind übrigens in der gleichnamigen Begleitbroschüre mit dem Untertitel „Erinnerungen und Botschaften zum 25. Jahrestag des Mauerfalls“ nachzulesen, ergänzt durch Fotos von der Lichtgrenze, Zeitzeugenportraits und Ballonbotschaften. Auf der Seite fallofthewall25.com werden rund 50 Geschichten präsentiert.

 

Letternleuchten hat im Auftrag der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. die Ausstellung „Hundert Mauergeschichten – Hundert Mal Berlin“ entlang der Lichtgrenze konzeptionell, redaktionell und organisatorisch betreut und gehörte zum Autoren- und Presseteam des Vereins. Die Robert-Havemann-Gesellschaft war Partner bei der Jubiläumsfeier des Landes Berlin zu 25 Jahre Mauerfall 2014.

 

Netzsprech: Was ist ein Throwback Thursday?

#throwbackthursdayDer „Throwback Thursday“ ist ein Thementag, der sich inzwischen in vielen sozialen Netzwerken eingebürgert hat. An jedem Donnerstag werfen Nutzer auf Instagram, Twitter oder Facebook einen Blick zurück und publizieren Inhalte, meistens Fotos, unter dem Hashtag #throwbackthursday, #throwback oder kurz #tbt.

Mit dem Doppelkreuz (#) werden auf verschiedenen digitalen Plattformen Themen verschlagwortet. Beim Klick auf die Raute (hash), die mit einem Schlagwort (tag) verknüpft ist, werden alle Posts, die dieses Hashtag enthalten, in einem einzigen Feed zusammengeführt – vorausgesetzt, die Profilinhaber sind miteinander verbunden oder die Inhalte wurden öffentlich publiziert. So können Nutzer plattformübergreifend nach Themen suchen.

Von Instagram in die Netzwelt

Der Netzlegende nach tauchte der Throwback Thursday erstmals 2006 in mehreren amerikanischen Blogs auf. Zum Trend wurde das Schlagwort allerdings erst 2011 mit der Einführung von Hashtags auf der Foto-Sharing-App Instagram. Stars und Prominente markierten nostalgische Fotos und peinliche Momente ihrer Karriere mit der Raute. Im Juli 2012 waren schon 9,1 Millionen Fotos unter #tbt gelistet, heute zählt die App über 250 Millionen Fotos mit diesem Schlagwort und das Hashtag rangiert auf Platz vier der Beliebtheitsskala.

Von Instagram aus breitete sich der Trend schnell auf andere Plattformen aus: Twitter, Facebook, Tumblr, YouTube, Google+, Pinterest, Flickr – der Throwback Thursday ist in nahezu jedem sozialen Netzwerk zu finden.

Ideal für Museen und Gedenkstätten?

Beim Throwback Thursday gibt es keine thematischen oder zeitlichen Einschränkungen, erlaubt ist alles, was Vergangenes abbildet: der Schnappschuss aus der Kindheit ebenso wie der Lieblingssong aus Teenager-Tagen oder der Screenshot einer früheren Statusmeldung. Beliebt sind auch Erinnerungen an historische Ereignisse.

Und damit wird der Thementag für Institutionen, die sich mit Geschichte beschäftigen, interessant. Denn ihre mit #tbt „getaggten“ Beiträge werden auch in den Suchfeed von Lesern gespült, die den eigenen Kanälen bisher noch nicht folgen. Das verspricht neue Fans und Follower.

Doch populäre Hashtags, die schon lange existieren, haben auch ihre Nachteile: Sie werden gerne von Spammern gekapert – über nackte Brüste im Feed sollte man deshalb nicht allzu überrascht sein. Außerdem drohen die Posts von Museen und Gedenkstätten in der Flut von meist persönlichen Beiträgen unterzugehen. Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Hashtag gemacht?

 

App-Tipp: Besucher-Guide zur Ausstellung im Tränenpalast

Berlin_Friedrichstrasse_TraenenpalastVerschachtelt, überladen, endlose Ladezeiten − daran scheitern viele Apps, mit denen Museen und Ausstellungen die Rezeption kultureller Inhalte in die digitale Welt verlängern wollen. Ganz anders die App „Tränenpalast“, ein Begleitangebot zur Dauerausstellung „Grenzerfahrungen. Alltag der deutschen Teilung“ in der ehemaligen Grenzübergangsstelle am Bahnhof Friedrichstraße.

Drei Inforeiter auf dem Homescreen, vier Menüpunkte in der Navigationsleiste, mehr braucht diese Anwendung nicht, um den Besuchern einen guten Einstieg in die Ausstellung zu bieten. Langweilig? Weit gefehlt. Die App „Tränenpalast“ zeigt vielmehr, dass intelligent aufbereitete Inhalte das beste Erfolgsrezept für eine ansprechende digitale Vermittlung sind.

Einstiegsvideo: Emotionen statt Langeweile

Schon das kurze Einstiegsvideo ist alles andere als ein dröger Imageclip. Zeitzeugen wie Ulrike Poppe, Rainer Eppelmann und Antje Vollmer berichten von ihren persönlichen Erinnerungen an die beklemmenden Erlebnisse am Grenzübergang Friedrichtstraße. Währenddessen vermitteln ruhige Kameraschwenks im Bildhintergrund erste Einblicke in die Dauerausstellung am historischen Ort.

Audio-Guide mit Podcast-Qualitäten

Das Herzstück der Anwendung besteht aus 17 Audioclips. Neben Basisinformationen über Teilung und Mauer liefern die Hörbeiträge Wissenswertes zu Themen wie Flucht, Ausreise, Passkontrolle, Abschied, Intershop oder Schmuggel. Eingängige Texte, gesprochen von wechselnden Sprechern, Zeitzeugenstimmen und Originalgeräusche lassen die Hörer in den Alltag der geteilten Stadt eintauchen. Jeder Clip ist mit einem Foto der dazugehörigen Ausstellungsstation hinterlegt. Auf diese Weise gelingt den Autoren eine lebendige Audio-Führung, die auch ortsunabhängig erstaunlich gut funktioniert.

Spielerische Wissensvermittlung

Eine sympathische Ergänzung ist das Spiel „Nach drüben durch den Tränenpalast“, ein Mix aus historischem Rollenspiel und Quiz auf einer Oberfläche im Comc-Stil. Ziel des Spiels es, aus Ost-Berlin durch die Ausreisehalle in den Westen zu gelangen. Die Spieler können dabei zwischen fünf Charakteren wählen. Jede Spielfigur muss sich an fünf Stationen den Fragen von Mitreisenden, Grenzern und Stasi-Spitzeln stellen. Ausreisen darf nur, wer alle Fragen richtig beantwortet hat. Anhand verschiedener Situationen wird so das Procedere des Grenzübertritts aus wechselenden Perspektiven veranschaulicht − ein gelungenes Beispiel für Serious Games im Museumsumfeld.

Informationen zum Gebäude, Öffnungszeiten, Anfahrtsbeschreibung und Basis-Empfehlungsmöglichkeiten via E-Mail und Twitter runden die App ab. Vermisst habe ich lediglich Hinweise auf das Führungsangebot vor Ort sowie auf aktuelle Veranstaltungen. Mein Fazit: Die App „Tränenpalast“ ist eine gute Mischung aus funktionalem Besucher-Guide, packender Audioführung und spielerischer Wissensvermittlung.

Die App wird von der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland herausgegeben und ist für iOS und Android verfügbar, in Kürze auch in englischer Sprache.