Letternleuchten | Text & PR | Berlin | Website der PR-Beraterin und Redakteurin Dr. Ilona Schäkel, Letternleuchten Text | PR, Berlin



Notizen Kategoriearchiv - PR-Know-how

Leichte Sprache – keine einfache Sache

Logo für Leichte SpracheOb im Netz, im Museum oder auf dem Büchertisch, Texte in Leichter Sprache begegnen mir in letzter Zeit immer häufiger. Als Texterin wollte ich wissen, wie Leichte Sprache funktioniert. Anja Dworski vom Büro für Leichte Sprache der Lebenshilfe Sachsen ist Expertin auf diesem Gebiet. In ihren Schulungen lernen Übersetzer, Autoren und Online-Redakteure, Standarddeutsch in Leichte Sprache zu übertragen. Ich habe an einem ihrer Seminare teilgenommen.

Große Lettern, kurze Sätze, viele Bindestriche – die wichtigsten Merkmale für Leichte Sprache finden bequem auf einem Flipchart Platz. Auch wer tiefer einsteigen will, muss sich nicht mehr als 40 Regeln merken, um die Grundlagen zu beherrschen. Trotzdem gehört Leichte Sprache zu den einfachen Dingen, die überraschend schwer umzusetzen sind.

Was ist Leichte Sprache?

Mit Leichter Sprache ist eine Form der schriftlichen und mündlichen Kommunikation gemeint, die zusammen mit Menschen entwickelt wurde, die Lernschwierigkeiten haben. Oder anders ausgedrückt, mit Menschen, die „geistig behindert“* sind. Leichte Sprache soll ihnen helfen, an der Informationsgesellschaft teilzuhaben. Aber nicht nur diese spezielle Gruppe profitiert davon, auch funktionale Analphabeten, Gehörlose, Menschen mit geringen Deutschkenntnissen, ältere Leute oder an Demenz Erkrankte können Texte in Leichter Sprache besser verstehen.

Ganz wichtig: Leichte Sprache ist keine Kindersprache. Sie richtet sich in erster Linie an Erwachsene, auch wenn sie in ihrer einfachen Struktur mitunter an kindliche Sprache erinnert.

Leichte Sprache ist nicht gleich einfache Sprache

Oft werden die Begriffe einfache Sprache und Leichte Sprache synonym verwendet – tatsächlich gibt es einige Unterschiede: Einfache Sprache richtet sich an Menschen, denen das Lesen und Schreiben aus unterschiedlichen Gründen schwerfällt. Für einfache Sprache gibt es kein festes Regelwerk, in der Praxis ist sie meist komplizierter als Leichte Sprache. Und anders als Leichte Sprache wird einfache Sprache in der Regel nicht von den Adressaten geprüft.

Von der Zielgruppe geprüft

Warum gerade diese Prüfung so wichtig ist, zeigt Dworski in ihren Workshops. Vor allem komplexe Texte, die Vorwissen beim Leser voraussetzen, lassen sich nie eins zu eins in Leichte Sprache übertragen. Das kann jeder nachvollziehen, der sich zum Beispiel einen beliebigen Text zu einem historischen Thema vornmimmt. Begriffe müssen erklärt, Zusammenhänge hergestellt werden. Erklärungen aber blähen Texte auf; damit sie dennoch überschaubar bleiben, müssen die Übersetzer umstellen, auswählen und kürzen.

Die große Kunst besteht darin, die Inhalte bei der Übersetzung weder zu verfälschen noch zu zensieren. Um das richtige Sprachniveau zu treffen, sind Fingerspitzengefühl und viel Erfahrung gefragt. Und das Feedback derjenigen, für die der Text geschrieben wird.

Wo wird Leichte Sprache eingesetzt?

Für Websites von Behörden und Verwaltungen ist Leichte Sprache nach der Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) seit einigen Jahren verbindlich. Doch auch Museen, Vereine oder Bildungseinrichtungen bieten ihren Nutzern zunehmend Informationen in Leichter Sprache an, zum Beispiel auf Websites, in Katalogen, Broschüren, Flyern, Ausstellungen oder Audioguides.

Die Forschung darüber, wie Leichte Sprache wirkt und ob sie von den Zielgruppen angenommen wird, steht noch ganz am Anfang. Museen und Ausstellungsmacher beobachten aber, dass Texte in Leichter Sprache auch von Besuchern ohne Schreib- oder Leseschwäche gerne angenommen werden.

Wer mehr über das Thema wissen möchte, findet viele praktische Tipps für Leichte Sprache auf der Website des Vereins Netzwerk Leichte Sprache. In diesem Netzwerk arbeiten seit 2006 Übersetzer und Übersetzerinnen, Prüfer und Prüferinnen zusammen.

Die wichtigsten Regeln für Leichte Sprache auf einen Blick:

  • Kurze Sätze, möglichst ein Satz pro Zeile
  • Keine Verschachtelungen
  • Geläufige, kurze Wörter verwenden
  • Keine Sprachbilder oder Redewendung
  • Wiederholungen verwenden
  • Komposita mit Bindestrich trennen
  • Keine Abkürzungen
  • Sonderzeichen vermeiden
  • Einheitliche Zeit- und Datumsschreibweise
  • Serifenlose Schrift, mind. Arial 14 pt
  • Bilder, Symbole einsetzen

Alle Regeln für Leichte Sprache vom Netzwerk Leichte Sprache, PDF-Datei, ca. 1,2 MB

*Diese Bezeichnung wird von vielen Menschen als diskriminierend empfunden und deshalb vermieden.

 

PR-Fachbuch: „Praxisleitfaden für zeitgemäße Öffentlichkeitsarbeit“

Praxisleitfaden für zeitgemäße Presse- und Öffentlichkeitsarbeit„Bringen Sie mich in die Presse!“, mit solchen Aufträgen wird jeder PR-Berater hin und wieder beglückt. Angefragt werden sie oft von kleinen Unternehmen, Gründern oder Selbstständigen, die bisher kaum Berührung mit PR hatten. Sie wollen ihr Geschäft ankurbeln, möglichst ohne viel Zeit und Geld zu investieren. Warum ihnen ihre Kunden wenig Aufmerksamkeit schenken, wissen sie nicht genau. Aber was der Konkurrenz Erfolg beschert, kann für das eigene Unternehmen nicht falsch sein. Was PR ist und wie sie funktioniert, davon haben sie meist nur eine vage Vorstellung.

Leicht verständlicher Ratgeber

Hier setzt der „Praxisleitfaden für zeitgemäße Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“ an. Mit der schmalen Broschüre, erschienen im DIHK-Verlag, ist es der Autorin Nadja Bungard gelungen, die oft abstrakte PR-Sprache durch Beispiele aus dem Unternehmensalltag mit Leben zu füllen und damit Einsteigern einen leicht verständlichen Wegweiser an die Hand zu geben.

Auf gut 100 Seiten vermittelt die Autorin die Grundlagen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit – von der Planung bis zur Umsetzung. Warum sollten sich Unternehmen mit ihren Stärken und Schwächen beschäftigen, bevor sie Maßnahmen entwickeln? Wieso ist es wichtig, über Ziele, Zielgruppen und Botschaften nachzudenken? Und warum kann der Stand auf dem Nachbarschaftsfest vielleicht mehr Kunden erreichen als die Notiz im Lokalblatt? Antworten auf diese Fragen gibt die Autorin in Form von fiktiven Praxisfällen.

Schwerpunkt Online Relations

In dem kompakten Ratgeber kommen alle wichtigen Aktionsfelder und Instrumente von Öffentlichkeitsarbeit zur Sprache, von der klassischen Pressearbeit über Messe-PR bis zur Krisenkommunikation. Wer tiefer einsteigen will, findet weiterführende Link- und Literaturtipps im Anhang. Einen Schwerpunkt hat die Autorin auf das Thema Online-Kommunikation gelegt; das umfangreichste Kapitel der Broschüre widmet sich der Öffentlichkeitsarbeit im Netz, per E-Mail oder Social Media.

Besonders hilfreich für Einsteiger sind die umfangreichen Checklisten. Ergänzend nennt die Autorin viele nützliche Anlaufstellen im Web: Wissensquellen, Recherchemöglichkeiten, Online-Tools und spezialisierte Dienstleister. Abgerundet wird der Leitfaden durch Experteninterviews.

Fazit: Ein „Praxisleitfaden“, der seinen Namen verdient: leicht verständlich, anschaulich und randvoll mit umsetzbaren Tipps für eine zeitgemäße Öffentlichkeitsarbeit. Wer die Broschüre gelesen hat, wird künftig genauer wissen, wie ihn ein Kommunikationsberater am besten unterstützen kann.

Praxisleitfaden für zeitgemäße Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Von Nadja Bungard, DIHK-Verlag, Berlin 2013, 104 Seiten, 16.50 Euro, ISBN 978-3-943043-41-9

 

Ein Jahr Letternleuchten-Blog – was hat’s gebracht?

Das Letternleuchten-Blog feiert GeburtstagVor einem Jahr ist Letternleuchten Text | PR umgezogen. Nicht in ein neues Büro, sondern auf ein neues System. Meine alte statische Website wurde von einer WordPress-Installation abgelöst, gleichzeitig habe ich dieses Blog gestartet, das Letternleuchten-Blog.

Ein Jahr Bloggen in eigener Sache – was hat’s gebracht?

Zeit für einen Rückblick. Wie haben sich die Änderungen auf meine Online-Präsenz ausgewirkt? Hat der Umzug neue Gäste ins Haus gelockt? Ist meine Website heute leichter zu finden? Pauschal gesagt, ja. Wenn ich mir die Statistik ansehe, hat sich die Anzahl der Leser auf meiner Website seit Mai 2012 grob überschlagen verfünffacht. Die Besucher bleiben länger und lesen mehr.

Und das, obwohl ich mich für einen gewagt niedrigen Veröffentlichungsrhythmus von zwei bis drei Posts pro Monat entschieden habe. Mir war von Anfang an wichtig, dass ich das Bloggen auch durchhalten kann, wenn es viel zu tun gibt. Neben den reinen Zahlen beobachte ich aber auch andere positive Effekte:

1)      Kunden im Web gezielter ansprechen

Früher kamen fast alle Kontakte zu neuen Kunden über persönliche Empfehlungen zustande. Meine Website riefen potentielle Auftraggeber in der Regel erst auf, wenn sie schon auf anderem Wege von mit gehört hatten. Heute werden Kunden auch über Blogartikel oder meine Social-Media-Profile auf letternleuchten.de aufmerksam. So kann ich mich mit meinen Themen besser positionieren und erreiche meine Kunden gezielter.

2)       Technisches Wissen erweitern

In den letzten Monaten habe ich viel über das Innenleben von Blogs gelernt. Ich bin regelrecht in das Backend von WordPress „hineingekrochen“ und habe dabei sogar eine Leidenschaft für HTML, CSS und Suchmaschinenoptimierung entdeckt. Heute kann ich mein Redaktionssystem nicht nur bespielen, sondern auch gestalten, die passenden Plug-ins finden, Widgets installieren und kleinere technische Probleme selbst lösen. Dieses Wissen fließt natürlich in die Beratung ein.

3)      Als Person erkennbar werden

Zwar hinterlassen nur wenige Leser einen Kommentar, aber in Gesprächen mit neuen Kunden merke ich immer wieder, dass sie den einen oder anderen Artikel gelesen haben, bevor sie zum Telefonhörer greifen. Und das ist vielleicht der wichtigste Punkt: Mit meinem Blog gebe ich potentiellen Auftraggebern die Möglichkeit, sich einen Eindruck von mir und meiner Arbeit zu verschaffen. Mag sein, dass nicht jedem gefällt, was er liest. Damit muss ich rechnen. Aber für die spätere Zusammenarbeit ist Transparenz nun mal die beste Basis.

Blogs sind Arbeit, die sich lohnt

Meine Jahresbilanz fällt also positiv aus. Stimmt, ein Blog zu betreiben, ist Arbeit. Selbst wenn man wie ich vergleichsweise selten bloggt, fließt eine Menge Zeit in Recherche, Redaktion, Monitoring und Administration. Aber mit sorgfältiger Planung und ein bisschen Routine lässt sich der Aufwand in den Griff bekommen. Es lohnt sich. Wenn Sie Unterstützung bei der Einführung oder der Redaktion Ihres Blogs brauchen, helfe ich Ihnen gerne weiter.

 

Fachwissen auf die Ohren: Neuer Podcast über Social Media

MikrofonLeser des Letternleuchten-Blogs wissen, dass ich Podcast-Fan bin.  Auf dem Fahrrad, in der S-Bahn, auf dem Weg zwischen zwei Kundenterminen, meist vertreibe ich mir die Zeit mit den Stöpseln meines MP3-Players in den Ohren. Wenn ich dabei noch etwas lernen kann, umso besser. Deshalb freue ich mich immer, wenn ich ein neues Angebot entdecke – wie vor ein paar Tagen das Podcast-Debüt des Bundesverbands Community Management (BVCM).

Der Social Media Podcast

Beim Social Media Podcast dreht sich, wie der Name sagt, alles um Social Media und Community Management. Florian Stöhr, Sascha Pfeiffer und Paul Baumann – alle drei aktive Social-Media- und Community-Manager – haben sich vorgenommen, die Diskussionen und Neuigkeiten rund um digitale Kommunikation und Social Media aufzugreifen und zu besprechen. Subjektiv, meinungsstark und ohne Anspruch auf Tagesaktualität. Je nach Thema sollen in späteren Folgen auch Gäste zu Wort kommen. Das klingt nach spannenden Innenansichten.

In der ersten Episode geht es hauptsächlich um Facebook: Diskutiert wird zum Beispiel über den verunglückte Stern-TV-Beitrag zum angeblichen Datenklau durch Facebook-Apps, über die gerade eingeführte Facebook-Suche (Graph Search), die neuen Richtlinien für Bilder und Anzeigen oder das kommende Facebook-Camp. Zwar streifen die drei Macher auch Instagram und das gerade wiederbelebte MySpace, für meinen Geschmack dürfte das Themenspektrum aber ruhig noch etwas breiter werden.

Debüt mit Entwicklungspotenzial

Rund eine Stunde geben sich die Podcast-Newcomer Zeit – eine angenehme Länge für ein solches Gesprächsformat und eine gute Gelegenheit, die schnelllebige Social-Media-Welt tiefergehend zu beleuchten. So ganz überzeugend gelingt das in der ersten Folge zwar noch nicht, leider driftet das Gespräch zeitweise ab und plätschert zwischen Small- und Insidertalk dahin, aber mit einer etwas beherzteren Moderation könnte sich das Experiment zu einem richtig interessanten Fach-Podcast entwickeln.

Unbedingt nachgebessert werden sollte bei der Tontechnik. Es muss beim Podcasten ja nicht Tonstudio-Qualität sein, aber hier scheppert und hallt es doch gewaltig. Schade finde ich auch, dass keine weibliche Stimme zu hören ist – es sollte doch auch im BVCM eine Menge Frauen geben, die einiges zu dem Thema zu sagen haben. 😉

Fazit: Ein thematisch vielversprechender Podcast mit Entwicklungsspielraum – ist abonniert!

 

„Social Networks kommen und gehen, Blogs bleiben“

Karl-Heinz Wenzlaff (blogtrainer.de)„Macht 2012 zum Jahr der Blogs“ – der Appell von Sascha Lobo auf der re:publica im Mai löste eine neuerliche Diskussion über die Bedeutung von Blogs aus – auch unter Kommunikationsfachleuten. Karl-Heinz Wenzlaff ist einer der erfolgreichsten Trainer und Berater für Social Media in Deutschland (blogtrainer.de). Seit 2006 richtet er in vielen Städten WordPress-Schulungen, Facebook-Business-Trainings und Social-Media-Workshops aus. Von ihm wollte ich wissen, ob Corporate Blogs in Deutschland doch noch Erfolgsgeschichte schreiben.

Mit dem Hype um Facebook sah es lange so aus, als würden Blogs als PR-Instrument in Vergessenheit geraten. Seit Ende 2011 scheinen sie ein Comeback zu feiern – Corporate Blogs waren das Sommerthema der PR-Branche. Ist 2012 das Jahr der Corporate Blogs in Deutschland?

Blogs sind seit 2000 mit der Entstehung der ersten Business- und Corporate Blogs kontinuierlich und weltweit in einem Aufschwung. Dem konnten auch Facebook und andere Social Networks nichts anhaben. Im Gegenteil: Facebook und Twitter, Google+ und Xing,  Slideshare und Pinterest wirken heute als gute Katalysatoren und Multiplikatoren für die Verbreitung von Bloginhalten.

WordPress als  früheres Blogsystem erlebte 2011 und 2012 einen Siegeszug zum heute weltweit populärstes Content Management System (CMS) für neue Websites. Auch das trug dazu bei, dass Blogs auch im Business immer stärker akzeptiert werden und heute allgegenwärtig sind.

Zahlen zu Blogs sind rar. Klaus Eck ging 2007 von etwa  3.000 Unternehmensblogs in Deutschland aus. Was schätzen Sie: Wie viele Corporate Blogs gibt es hierzulande aktuell?

Man nennt Corporate Blogs heute oft nicht mehr „Corporate Blogs“. Sie heißen oft  „Social Media Newsroom“ oder einfach „Aktuelles“ oder „News“, funktionieren aber wie Blogs. Hier bieten Unternehmen Informationen über ihre Produkte und Leistungen aus erster Hand und lassen ihre Leser darüber diskutieren.

Fast immer steckt dahinter auch der Vorsatz, mit frischen und authentischen Inhalten Suchmaschinen zu füttern und damit neue Leser auf die umgebende Website, auf die eigenen Landing Pages oder in den eigenen Online-Shop  zu locken.

Sehen Corporate Blogs heute technisch oder inhaltlich anders aus als noch fünf oder sechs Jahren? Was hat sich verändert?

Technisch hat sich vor allem geändert, dass WordPress ein vollwertiges CMS geworden ist und nicht nur den Markt der Blogsysteme, sondern nun auch den der CMS dominiert. Mit WordPress ist es sehr leicht, seine Website mobiltauglich zu gestalten. Sie nutzen einfach eins von vielen Templates mit „Responsive Design“ und ersparen sich dadurch doppelte Entwicklungskosten für eine zweite, mobile Website. Manche Online-Agenturen hören diese Nachricht zwar nicht so gern, da sie ihre Kunden gern ein zweites Mal „abkassieren“ würden. Faire Agenturen schenken ihren Kunden dagegen reinen Wein ein und bieten oft von sich aus eine WordPress-Website mit responsivem Design an.

Inhaltlich hat sich vor allem geändert, dass Corporate Blogs heute fokussierter sind als vor einigen Jahren. Blogs, die die komplette Breite der Unternehmenskultur spiegeln oder eine „gläserne Produktion“ vorführen wollten, sind oft an diesem Anspruch gescheitert. Es ist erfolgreicher, sich gezielt konkrete Produkte, Produktgruppen  oder Dienstleistungen aus dem eigenen Portfolio herauszupicken und diese im Corporate Blog zu thematisieren. Das hilft vor allem bei der Markteinführung neuer Produkte,  schnell gute Suchmaschinenpositionen bei umkämpften Suchbegriffen zu erreichen. Wenn ein Corporate Blog gut optimiert ist und die Autoren wissen, worauf sie achten müssen, bewirkt das Blog immer noch „SEO-Wunder“. Ein Corporate Blog ist – wenn richtig angewandt – der Dreh- und Angelpunkt im Content Marketing eines Unternehmens.

Welche Fragen stehen für die Teilnehmer Ihrer Workshops heute im Vordergrund?

Meine zweitägigen Blog-Workshops spannen den weiten Bogen von der Konzeption der Website über die Installation und optimale Konfiguration von WordPress bis hin zu Suchmaschinenoptimierung und Promotion der Corporate Website und des integrierten Corporate Blogs.

WordPress hat inzwischen rund 20.000 Plugins, folglich spielen die Auswahl der richtigen Plugins und die dazu notwendigen Auswahlkriterien eine Rolle. Natürlich geht es auch um das Zusammenspiel zwischen Blog und anderen Social Media und immer wieder um SEO, SEO nochmals SEO. Schließlich ist ein Corporate Blog kein Selbstzweck, sondern dient in der Regel dazu, Besucher, Interessenten, potentielle Käufer und Kunden anzuziehen und zu binden.

Was ist die große Stärke von Blogs gegenüber Präsenzen in Social Networks wie Facebook oder Google+?

Man kann es auf einen kurzen Satz bringen: Social Networks kommen und gehen, Blogs bleiben.

Blogs, insbesondere Corporate Blogs, werden ja auf dem eigenen Webspace aufgesetzt und nicht auf einer fremden Plattform. Somit unterliegen sie nicht der Willkür, Lust und Laune eines Fremdanbieters. Bloginhaber entscheiden selbst, wie, in welchem Kontext und wie lange sie ihre Texte und visuellen Inhalte präsentieren. Sie entscheiden auch, wo und mit welchen Attributen sie Links auf andere Inhalte setzen und diese in den Suchmaschinen nach vorne bringen.

Bei Social Networks dagegen setzt der Plattformbetreiber oft einen sehr engen funktionalen Rahmen, der die Posts für Content Marketing und Suchmaschinenoptimierung  meist wertlos macht.  Ältere Posts sind schwer erreichbar und sind schlecht durch Suchmaschinen indexiert. Darüber hinaus kommt es auf Social Networks auch zur Löschung von einzelnen Inhalten oder kompletten Unternehmensseiten durch die Plattformbetreiber. Als betroffenes Unternehmen können sie sich nicht dagegen wehren, denn in der Regel haben sie keinen verbindlichen Vertrag mit Herrn Zuckerberg oder dem jeweiligen Social-Network-Betreiber. Eine Facebook-Präsenz zum Beispiel bauen Sie komplett auf fremdem Boden, ihr eigenes Corporate Blog  dagegen ist so etwas wie ein „Digital Asset“.

Welche Branchen sind besonders engagiert beim Bloggen und wo herrscht eher Zurückhaltung?

Besonders erfolgreich sind Corporate Blogs schon immer in der Food- und Beverage-Branche. Das liegt daran, dass man über viele dieser Produkte trefflich diskutieren kann. Überall, wo vermeintlich  guter und vermeintlich schlechter Geschmack aufeinandertreffen, findet man interessante Corporate Blogs mit vielen Kommentaren und einer großen Stammleserschaft. Schauen Sie sich einmal in der Weinwirtschaft um: Dort finden Sie zahlreiche tolle Blogs von Winzern, kleinen und großen Weingütern, Weinhändlern und großen Versandhändlern. Aber auch in der Automobilindustrie, in der Textilbranche und im Markt der Schönheits- und Gesundheitsprodukte haben Corporate Blogs weiter Konjunktur.

Ganz ausgezeichnet funktionieren Business-Blogs aber auch in allen beratenden Berufen, vom Rechtsanwalt, über den Steuerberater, Trainer, Coach bis zum Unternehmensberater.

Was sollten Unternehmen unbedingt beherzigen, wenn Sie ein Blog aufsetzen? Welche Fehler werden Ihrer Erfahrung nach am häufigsten gemacht?

Blogs sind ja Social Media per se. Deshalb kommt es enorm auf die Persönlichkeiten der Corporate-Blogger an. Zeigen Sie deren Gesichter, stellen Sie sich und ihre Autoren namentlich, mit Foto und Kurzbiografie den Lesern vor.

Häufige Fehler? Manchmal sieht man, dass Kommentare einfach ignoriert werden. Auch die „Vorabprüfung“ von Kommentaren ist ein Kommunikationskiller und führt dazu, dass eine Diskussion gar nicht erst entsteht.

Und was sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren?

Versuchen Sie immer, Gespräche in Gang zu bringen. Dazu gehört, dass ein Corporate Blog aktiv Themen aufgreifen muss, deren Diskussion einen konkreten Mehrwert für die Leser bietet. Das können auch Themen sein, die aktuell in der Branche kontrovers diskutiert werden, Themen die polarisieren.

Ihr Blick in die Glaskugel:  Werden Blogs als Instrument der Kommunikation von Unternehmen doch noch Erfolgsgeschichte schreiben? Welche Entwicklungen erwarten uns im nächsten Jahr?

Ich meine, dass Corporate Blogs schon immer erfolgreich waren, wenn sie nicht als „Tagebücher“, sondern als Werkzeuge zum Content Marketing verstanden und eingesetzt wurden.

Ein Beispiel: Knapp 1.000 Artikel auf meinem eigenen Business-Blog www.blogtrainer.de bringen mir kontinuierlich 500 Besucher pro Tag, vor allem von Suchmaschinen und aus den Social Networks. Sie generieren Jahr für Jahr einen sechsstelligen Umsatz, ganz ohne zusätzliche Akquise oder gar Kauf von Google Adwords.

Generell  erwarte ich, dass 2013 wieder mehr Unternehmen erkennen, dass ein eigenes Corporate Blog viel besser als primäre Publishing-Plattform und als Social-Media-Hub taugt als jedes noch so gehypte Social Network.

Herr Wenzlaff, herzlichen Dank für das Interview und Ihnen ein erfolgreiches 2013!

PR-Handwerk: Fachtexte richtig redigieren

Textmarker und StifteProjektberichte, Jahrbücher, Broschüren, Fachartikel – wer Öffentlichkeitsarbeit macht, schreibt längst nicht alle Texte selbst, sondern hat es oft mit Entwürfen von Fremdautoren zu tun. Aber nicht jeder Experte oder Projektleiter ist gleichzeitig Schreibprofi. Gerade im wissenschaftlichen oder technischen Umfeld ist meist geschicktes Redigieren gefragt.

Wie werden aus trockenen, komplizierten Skripten gut lesbare Fachtexte, ohne dass der Inhalt leidet und die Handschrift der Autoren verloren geht? 10 Praxistipps für den PR-Redaktionsalltag:

1. Kernaussage prüfen

Autoren, die tief in ihrem Thema stecken, fällt es oft schwer, die Leser an der richtigen Stelle abzuholen. Prüfen Sie beim ersten Lesen: Was ist die Kernaussage des Textes? Ist die Argumentation schlüssig? Fehlen Fakten, die wichtig sind, um den Zusammenhang zu verstehen? Praxistipp: Wenn es Ihnen gelingt, problemlos einen Vorspann zu schreiben, ist alles in Ordnung. Wenn nicht, bitten Sie den Autor, Ihnen den Sachverhalt noch einmal mündlich zu erklären.

2. Den Nutzen herausstellen

Sich durch lange Fachartikel zu beißen, kostet Zeit und Aufmerksamkeit – die investiert niemand gern umsonst.  Schon im ersten Textabschnitt muss klar werden, warum sich der Aufwand lohnt. Welchen Nutzen hat der Leser? Was ist das Neue, Herausragende, Besondere? Praxistipp: Auch hier gilt, stimmen Sie sich im Zweifelsfall mit dem Autoren ab, bevor Sie den Text umstricken.

3. Texte sinnvoll gliedern

Nichts wirkt auf Leser abschreckender als endlose Bleiwüsten. Markieren Sie Sinneinheiten, die durch Absätze getrennt oder mit Zwischenüberschriften versehen werden können. So lässt sich auch der inhaltliche Aufbau besser überblicken. Praxistipp: Wenn es das Layout zulässt, koppeln Sie Informationen, die sich als Infokasten, Grafik oder Listen darstellen lassen, aus dem Fließtext aus.

4. Komplexität anpassen

Richtet sich der Text an interessierte Laien? Dann heißt es, Komplexität reduzieren, Fachsprache vermeiden, Zusammenhänge erklären. Sind die Leser Experten auf dem Gebiet, kommt es eher auf Details und Hintergründe an. Praxistipp: Abkürzungen und Fachbegriffe sind erlaubt, sollten aber immer erklärt werden, wenn sie zum ersten Mal verwendet werden.

5. Zum Lesen verführen

Fachartikel werden in der Regel von Menschen gelesen, die sich für den Gegenstand interessieren, entsprechend niedrig ist die Lesehürde. Trotzdem lassen sich auch Fachleute gerne neugierig machen. Praxistipp: Es muss nicht unbedingt ein nüchterner W-Fragen-Vorspann sein. Beginnen Sie mit einem Zitat, einem szenischen Einstieg oder einem überraschenden Vergleich.

6. Texten Leben einhauchen

Fachtexte müssen nicht stauben: Beispiele, bildhafte Beschreibungen und Zitate lockern auf. Meist genügen schon ein paar sprachliche Kniffe, um Texte lebendiger zu gestalten: Lösen Sie Passivkonstruktionen auf, lassen Sie Menschen handeln und sprechen. Ersetzen Sie sperrigen Nominalstil durch Sätze mit dynamischen Verben und lösen Sie Partizipialketten auf. Praxistipp: Aber Vorsicht vor schiefen Bildern und abgedroschenen Phrasen!

7. Satzbau entschlacken

Manche Fachautoren neigen dazu, mehrere Gedanken in einen Satz zu pressen. Sie formulieren verschachtelte Satzungetüme, die sich über ganze Absätze erstrecken. Einfache Regel: Weg mit den Schachteln! Zerlegen Sie die Sätze in überschaubare Hauptsatz-Nebensatz-Konstruktionen und verschieben Sie langatmige Einschübe ans Satzende. Achten Sie darauf, dass Verbstamm und Vorsilbe nicht zu weit auseinanderrücken. Praxistipp: Lesen Sie den Text laut vor, wenn Ihnen mitten im Satz die Luft ausgeht, müssen Sie nacharbeiten.

8. Wortungeheuer vertreiben

Kurze Wörter sind leichter verständlich, in Fachsprachen wimmelt es aber leider oft von Bandwurfbegriffen. Umso wichtiger, dass Sie dort kürzen, wo es ohne Abstriche möglich ist, zum Beispiel bei überflüssigen Vorsilben oder Endungen. Praxistipp: Bindestriche können mehrsilbige Zusammensetzungen entschärfen und lesbarer machen.

9. Handschrift behutsam glätten

Auch Journalisten erfinden ihre Sprache nicht ständig neu: Vor allem unter Zeitdruck verwenden Sie Lieblingswörter, ähnliche Wendungen oder charakteristische Füllwörter. Das gehört zur eigenen Handschrift. Ungeübte Schreiber klammern sich aber häufig geradezu an bewährte Bausteine. Halten Sie nach Wiederholungen in Textstruktur und Wortwahl Ausschau. Variieren Sie, wenn das Muster aufdringlich wirkt. Praxistipp: Mit dem kostenlosen Textanalyse-Tool des Portals Presseanzeiger.de lassen sich Wortwiederholungen leicht aufspüren.

10. Ballast abwerfen

Jeder Text lässt sich kürzen. Bevor Sie an die inhaltliche Substanz gehen, reduzieren Sie typische Füllwörter (irgendwie, eigentlich, bereits, schon, vielfach, auch etc.) und Floskeln (man könnte sagen, meines Erachtens, es ist nicht verwunderlich, dass etc.). Auch nichtssagende Adjektive sind unnötiger Ballast. Praxistipp: Aber achten Sie darauf, dass Sie den Rhythmus des Textes nicht zerstören – Fachtexte im Stakkatostil sind anstrengend zu lesen.

Wie gehen Sie beim Redigieren von Fachtexten vor?